Drei Männer im Anzug

Zigarrenfabrik

Alles fing damit an, dass ich beim Durchstöbern des Dachbodens auf ein Bild stieß. Auf dem Bild sind drei Männer im Anzug zu sehen. Sie stehen vor einem kleinen Laden mit der Aufschrift „Zigarrenfabrik Ludwig Peters“. Ich betrachtete das Bild eine Weile und fragte mich, welche Geschichte es wohl zu erzählen hat? Plötzlich hörte ich eine leise Stimme: „Bitte etwas näher zusammenrücken, meine Herren!“ Ich traute weder meinen Ohren, noch meinen Augen, die Männer auf dem Bild begannen sich zu bewegen. Auf einmal verschwamm die Szenerie und es war, als würde alles zurückgespielt werden.

Nun sah man eine kleine Familie, mit drei Kindern an einem Tisch sitzen. Die Kinder stocherten missmutig in ihrem Haferbrei. Man sah ihnen an, dass sie aus ärmlichen Verhältnissen stammen. Dann begann das Bild seine Geschichte zu erzählen: “ Oh man… schon wieder Haferbrei?! Kann es nicht mal was anderes geben?“ „Ach Ludwig…. du weißt doch, dein Vater verdient nicht so viel als das wir uns etwas Besseres leiste können.“ „Ja, Mama, weiß ich doch…. Aber wenn ich groß bin, werde ich eine Zigarrenfabrik eröffnen, in der jeder genug verdient, um seine Familie mit etwas Anderem als Haferbrei zu ernähren!“

Ludwigs Vater, Heinrich arbeitet in einer Zigarrenfabrik, in der er nur sehr wenig verdient. Deshalb mussten Ludwig und seine zwei Brüder, Richard und Johann, schon früh beginnen, ebenfalls in der Zigarrenfabrik zu arbeiten. Im Laufe der Zeit, lernt Ludwig, Dora, die Tochter des Fabrikanten kennen….

Ludwig beobachtet Dora, wie sie sich mit ihrem Vater unterhält. Dora kehrt ihrem Vater den Rücken zu und läuft weinend Richtung Ludwig, welcher schon des längeren ein Auge auf das hübsche Mädchen geworfen hatte. Ludwig ging ihr ein paar Schritte entgegen, “ Dora, was ist geschehen?“ Dora fällt weinend in seine Arme. „ Die Ärzte sagen, Vater hätte nur noch wenige Jahre zu leben.“ Ludwig streicht ihr tröstend über ihr lockiges Haar. Eine Weile stehen sie schweigend Arm in Arm.

Dann blickt Dora zu Ludwig auf. Ihre Wangen erröten vor Scharm und ehe er sich versieht, löst sie sich aus der Umarmung und läuft davon.

Die beiden hegen tiefe Gefühle für einander, dach müssen sie diese verbergen, da sie aus unterschiedlichen Schichten kommen. Nach einem Jahr kann Ludwig sich nicht mehr zurückhalten, und macht seiner Geliebten einen Heiratsantrag.

"Dora, ich muss dich etwas fragen... ich weiß, unsere Beziehung ist nicht gern gesehen, aber ich kann meine Liebe zu dir nicht länger verheimlichen. Deshalb möchte ich dich hiermit fragen, ob du meine Frau werden willst"

"Oh Ludwig! Natürlich werde ich dich heiraten!"

Sie schließen sich in die Arme und küssen sich. Nach einer kurzen Zeit, in der alles ach so perfekt scheint, bricht das Unglück über sie herein. Als wäre es nicht schon genug, dass die Fabrik mehr schlecht als recht läuft, stirbt auch noch Doras geliebter Vater Edelbert. Dora ist am Boden zerstört.

"Es ist alles so schrecklich Ludwig! Die Fabrik ist so gut wie bankrott und mein Vater lebt nicht mehr. Was sollen wir nur tun?"

"Mach dir keine Sorgen Liebling! Ich habe einiges gespart, davon können wir die Fabrik wieder ins Geschäft bringen und meine Brüder werden uns sicherlich unterstützen!"

Mit vereinten Kräften bringen das Ehepaar und die Brüder Ludwigs die Fabrik wieder auf Vordermann. Die Wiedereröffnung ist ein voller Erfolg. Es wurde ein Fotograf engagiert um diesen besonderen Moment festzuhalten.

"Bitte etwas näher zusammenrücken meine Herren!" Ludwig und seine Brüder stehen vor der Verkaufsstätte der neu eröffneten Zigarrenfabrik. Dieser Moment sollte der Grundstein für eine glückliche Zeit sein, denn kurz darauf bringt Dora ihren ersten und einzigen Sohn zur Welt, Friedrich. Die Fabrik läuft nun auch wieder glänzend und die kleine Familie kann unbeschwert leben. Als ihr Sohn Friedrich drei Jahre alt ist, beginnt jedoch der Zweite Weltkrieg. Um sich zu schützen zieht die Familie in das Ferienhaus auf dem Land. Ludwig lebt unter der Woche in der Stadt um sich dort um die Fabrik zu kümmern. Es ist ein warmer Sommertag und Ludwig und seine Mitarbeiter sind in der Fabrik, als die Sirenen losheulen. Bombenalarm! Die Mitarbeiter brechen in Panik aus, nur Ludwig behält die Ruhe, bringt die Mitarbeiter in den Bombenkeller und sichert die Fabrik. Dann steht er am Ausgang und wirft einen letzten Blick auf die Fabrik. Ihm wird bewusst, was er alles erreicht hat. Er konnte seinen Kindheitstraum verwirklichen und lebt nun glücklich mit seiner kleinen Familie zusammen. Er hört, wie draußen die Bomben fallen. Eine Träne des vollkommenden Glücks kullert über seine Wange.. In diesem Moment trifft eine Bombe die Fabrik…

Als Dora von dem Tod ihres Mannes erfährt, macht sie sich mit Friedrich sofort auf den Weg zu den Trümmern der Fabrik. Ihr schweres Schicksal kaum fassen könnend, steht sie mit Friedrich vor dem Schutthaufen. Weinend bricht sie zusammen…

 

Marie und Annabell haben diese Geschichte zusammen geschrieben. Beide 15 Jahre alt, sie lernen Französisch seit 4 Jahren und besuchen die Klasse 9A vom Gymnasium Julianum in Helmstedt (Niedersachsen).

 

 

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